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01.03.2019
Mackevision HamburgKünstliche Welten - täuschend echt

Die Wale für die Dokumentation "Humpacks of Hawaii" wurden detailgetreu in 3D nachgebaut

Sie erwecken Wale zum Leben und lassen einen Zug dort fahren, wo eigentlich nicht mal eine Bahnstrecke existiert: Die Firma Mackevision ist nunmehr seit rund 20 Jahren im Bereich Computer Generated Imagery (kurz CGI) zu Hause und kreiert für Werbung und Film ganze Welten auf dem digitalen Zeichenbrett. Wir haben uns mit dem Team aus Hamburg getroffen und hinter die Kulissen geschaut.

Mit Delfinen ist vielleicht der eine oder andere schon mal geschwommen. Aber mit Buckelwalen? Und dann auch noch vor Hawaii? Die CGI-Spezialisten von Mackevision aus Hamburg haben gemeinsam mit dem Kieler Dokumentarfilmer Daniel Opitz eine perfekte Illusion geschaffen, die selbst Wissenschaftler überzeugt: Die "Ocean Mind Experience". Für dreizehn Minuten kann man den riesigen Meeressäugern in die Tiefe des Ozeans folgen und dabei dank aufwändiger Technik samt 3D-Brille und Fulldome nahezu jede Unebenheit auf der Haut sehen. „Man sitzt im Kinosessel und über einem schwebt zu 100% lebensecht ein 15 Meter großer Buckelwal – das ist schon ziemlich beeindruckend", sagt Jens Kämper, der den Mackevision-Standort in Hamburg leitet.

v.l.: Söhnke Christiansen, Jens Kämper und Steffen Bärenfänger unterwegs in Hamburgs Speicherstadt

Seit fast 25 Jahren gibt es das Unternehmen bereits, das in den 90ern ursprünglich mit der Produktion von Musikclips begann und seine Ursprünge in Stuttgart hat. Mittlerweile ist die Firma, die seit 2018 zu Accenture Interactive gehört, auf weltweit über 600 Mitarbeiter mit 13 Standorten in Europa, den USA und Asien angewachsen. Musikclips gehören nicht mehr zum Portfolio, einer der größten Bereiche ist schon seit mehreren Jahren das Werbesegment für die Automobil- und Konsumgüterindustrie: „Der Digital Twin ist eines der Key-Features von Mackevision. Wir machen Filme, in die wir digitale Zwillinge von tatsächlichen Produkten einfügen", verrät Steffen Bärenfänger, Global Creative Lead bei Mackevision Hamburg.

Mackevision Showreel

Was bedeutet das konkret? Der neue Werbeclip für zum Beispiel ein Auto wird komplett ohne Auto gedreht. Das Team von Mackevision baut dann im Anschluss das gewünschte Modell in den Clip ein. Ob Dreitürer, Fünftürer oder mit Heckspoiler – ganz egal. Der große Vorteil: Ist das Produkt einmal digital im Film eingesetzt, lässt sich der Spot nicht nur problemlos weltweit adaptieren, sondern auch für jede beliebige Produktvariante nutzen. „Dadurch kann der jeweilige Content komplett flexibel auf die individuellen Präferenzen des Konsumenten zugeschnitten werden", fasst Bärenfänger zusammen. Das Prinzip funktioniert sowohl für einen TV-Spot als auch für Online-Werbung und Realtime Content, wobei sich gerade im Digitalen die Zielgruppe mit dem digitalen Zwilling sehr genau bedienen lässt.

Trailer - Head full of Honey

Seit einigen Jahren ist Mackevision auch im Filmbereich tätig. Die VFX-Abteilung dürfte bewusst oder unbewusst den meisten Leuten ein Begriff sein: Mit „Game of Thrones" hat das Team an einer der erfolgreichsten Serien der letzten Jahre mitgearbeitet und geholfen, die Fantasiewelt von George R. R. Martin zum Leben zu erwecken. Die VFX-Effekte wurden in Stuttgart kreiert, doch seit kurzem wendet man sich auch in Hamburg dem Filmbereich zu. Viele unserer Mitarbeiter haben neben dem Werbefilm einen starken Feature-Film oder Game-Background. Diese Vielseitigkeit zeigt sich auch in unseren Arbeiten", so Jens Kämper.

Eines der jüngsten Projekte ist Til Schweigers Honig im Kopf-Remake Head full of Honey, das am 21. März in den deutschen Kinos startet. Die Produktion mit Matt Dillon und Nick Nolte mag zwar auf den ersten Blick kein Film sein, in dem einem die visuellen Effekte direkt ins Auge springen, doch gerade das ist oftmals die Kunst. So wurde bei einigen Landschaftstotalen der fahrende Zug, den Amadeus (Nick Nolte) und Enkelin Matilda (Sophia Lane Nolte) nach Venedig nehmen, samt Animation und Rauchsimulation von Mackevision erschaffen und in die Landschaft eingefügt. Auch der Green Screen kam bei mehreren Shots zum Einsatz. Bei einer anderen Szene wurde die Stadt Venedig täuschend echt in den Hintergrund eingefügt. Der Zuschauer wird hiervon im Kino nichts mitbekommen, Realität und Effekte fügen sich perfekt zu einer neuen Realität zusammen.

Real oder nicht: In "Head full of Honey" verschwimmen die Grenzen - wie bei dieser Zug-Szene

Zuletzt verhalf ein Team aus rund 20 Hamburger CGI-Spezialisten Daniel Opitz' Fulldome Experience "Humpbacks of Hawaii"zum Leben. Die Arbeit erstreckte sich über rund ein Jahr, in dem nicht kontinuierlich, aber immer wieder an dem Projekt gearbeitet wurde. „Wir haben die Realität wortwörtlich rekreiert. Aus Originalaufnahmen der Wale wurden die Tiere 1:1 in 3D nachgebaut", erklärt Steffen Bärenfänger. So war es dem Regisseur später möglich, die Kamera in der neu erschaffenen 3D-Welt frei zu positionieren. Die Wale wurden aus dem Referenzmaterial dreidimensional nachgebaut, für jedes Tier wurde eine künstliche 3D-Hülle entwickelt. Ein großer Aufwand, da die Tiere für den Zuschauer so realistisch wie möglich sein sollten – hierfür wurde extra mit Meeresarchäologen zusammengearbeitet.

Ziel war es, den Kinobesucher für die riesige Unterwasserwelt und ihre Bewohner zu sensibilisieren. Ein Herzensprojekt, wie Jens Kämper betont. Weltweit sollen für den Anfang drei bis fünf Fulldomes gebaut werden, in denen die Experience zu sehen sein wird – seine Premiere feierte „Humpbacks of Hawaii" Anfang 2019 auf Hawaii. Zudem sind bereits weitere Fulldomes mit neuen Inhalten in Mallorca, Spanien und Perth, Australien geplant.

Also egal ob Blockbuster, Serienproduktion oder Virtuelle Experience– wir sind in jedem Fall gespannt, welche fantastischen Welten uns das Team aus Hamburg in Zukunft präsentieren wird.

Fotos: Mackevision
Foto "Honey in the Head: Warner Bros. /Gordon Timpen

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