Hamburger Horror und Chaos auf der Berlinale

Berlinale 2019
"Der Goldene Handschuh" feiert seine Weltpremiere auf der Berlinale

Vom 7. bis 17. Februar blickt die Filmwelt wieder auf Berlin, wenn Deutschlands größtes Filmfestival in die 69. Runde geht: In diesem Jahr sind zahlreiche Filme mit norddeutscher Beteiligung im offiziellen Programm vertreten – allen voran Fatih Akin mit seiner Romanverfilmung „Der Goldene Handschuh" von Heinz Strunk sowie Nora Fingscheidt mit ihrem Regiedebut „Systemsprenger".

Wer bei der Berlinale eine Chance auf den Goldenen oder Silbernen Bären haben will, muss es in die Königsektion „Wettbewerb" schaffen. Hier werden die begehrten Trophäen alljährlich an die zwei besten Filme des Festivals vergeben. In diesem Jahr konkurrieren im Wettbewerb 23 Filme aus der ganzen Welt um die Auszeichnungen, von denen 20 ihre Weltpremiere in der Hauptstadt feiern. Der Norden ist in diesem Jahr sogar mit zwei Filmen im Wettbewerb vertreten.

Gruselige Weltpremiere

Hamburgs Kultregisseur Fatih Akin tritt 15 Jahre, nachdem er mit „Gegen die Wand" den Goldenen Bären gewinnen konnte, erneut im Wettbewerb an – dieses Mal jedoch mit einem Horrorfilm. In „Der Goldene Handschuh" geht es um die wahre Geschichte des Frauenmörders Fritz Honka, der in den 70ern vier Frauen umbrachte, zersägte und in der Abseite seiner Ottenser Wohnung verwesen ließ. Keine leichte Kost also, doch wer die Romanvorlage von Heinz Strunk kennt, weiß in etwa, worauf er sich bei Akins neuem Film einlässt. Die Hauptrolle spielt Shootingstar Jonas Dassler, der zuletzt in den Kinofilmen „Das schweigende Klassenzimmer" und „Werk ohne Autor" zu sehen war. Erkennen tut man den 23-Jährigen in seiner Rolle allerdings nicht – hier hat die Maske ganze Arbeit geleistet. Schielend und mit deformiertem Gesicht nuschelt Dassler sich durch die großartige 70er-Jahre-Szenerie, die Fatih Akin und sein Team im Studio und an Originalschauplätzen zum Leben erweckt haben. Gedreht wurde der Film natürlich komplett in Hamburg, in weiteren Rollen sind unter anderem Uwe Rhode, Tristan Göbel (bekannt aus „Tschick") und Hark Bohm zu sehen. Übrigens: Wer für die Premiere auf der Berlinale keine Ticket ergattern konnte, muss trotzdem nicht lange warten – der Film startet bereits am 21. Februar in den deutschen Kinos.

Trailer - Der Goldene Handschuh

Der Nachwuchs auf der großen Leinwand

Kein Horror, dafür aber ähnlich aufwühlend dürfte der neue Film von Regisseurin Nora Fingscheidt „Systemsprenger" werden, der ebenfalls im Wettbewerb seine Weltpremiere feiert. Im Zentrum der Geschichte steht die neunjährige Benni (Helena Zengel), die ihre Mitmenschen zur Verzweiflung treibt und aus jeder ihrer Pflegefamilien nach kurzer Zeit wieder rausfliegt. Das Drama spielt im Umfeld von Jugendamt, Heimen und Pflegefamilien und ist ein Projekt voller Nachwuchstalente aus Hamburg: Angefangen bei Regisseurin und Autorin Nora Fingscheidt bis zu den jungen Produktionsfirmen Weydemann Bros. und Oma Inge Film. Fingscheidt erhielt im Vorfeld bereits mehrere Auszeichnungen für ihr Drehbuch, darunter unter anderem den Emder Drehbuchpreis. Mit über 35 Drehtagen fand der Großteil der Dreharbeiten Anfang 2018 in Hamburg statt.

Helena Zengel spielt in Systemsprenger die neunjährige Benni

Panorama und Forum

Doch die Berlinale besteht natürlich nicht nur aus Wettbewerb: Bereits zum 40. Mal zeigt das Filmfest in der Sektion "Panorama" Filme, die aufwühlen und aufrütteln sollen und das Publikum in seinen Sehgewohnheiten herausfordern. In diese Kategorie hat es Regisseur Edward Berger mit seinem neuen Film „All My Loving" geschafft. Worum geht's? Um drei Geschwister (gespielt von Lars Eidinger, Hans Löw und Nele-Mueller-Stöfen), die alle drei an einem Scheidepunkt in ihrem Leben angekommen sind und schnell etwas verändern wollen, bevor die zweite Lebenshälfte beginnt. Edward Berger, der unter anderem auch bei der Miniserie "Patrick Melrose" mit Benedict Cumberbatch Regie führte, drehte unter anderem vor den Toren Hamburgs in Wedel.

Bravo-Posterboy Lars Eidinger in "All my Loving"

Der Hamburger Regisseur Bernd Schoch rückt in seiner Dokumentation „Olanda" eine Gruppe von Pilzsammlern in den südlichen Karpaten Rumäniens in das Zentrum des Geschehens. Der Filmemacher folgte den Sammlern mehrere Wochen in ihren provisorischen Zeltlagern, deren wertvolle Ware für ein Vielfaches des Preises im Ausland verkauft wird - eine Gegenüberstellung von Mikrokosmos und internationalen wirtschaftlichen Strukturen. Der von der Filmwerkstatt Kiel geförderte Dokumentarfilm „Schönheit und Vergänglichkeit" von Regisseurin Annekatrin Hendel begleitet die Berliner Ikone Sven Marquardt und zwei seiner Weggefährten aus der Ostberliner Punkzeit, deren Werdegang geprägt ist von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt.

Bei den Dreharbeiten zu "Olanda" in Rumänien
Der berühmte Berghain-Türsteher Sven Marquardt
Der Goldene Handschuh: bombero int./Warner Bros.

Systemsprenger: kineo Film / Weydemann Bros. / Yunus Roy Imer

Olanda: Fünferfilm
All my Loving: Port au Prince Pictures

Schönheit und Vergänglichkeit: it works medien

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