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29.10.2018
Nordische Filmtage Lübeck 2018Ein Blick in die Vergangenheit

Komplett in Schleswig-Holstein und Hamburg gedreht: 1918. Aufstand der Matrosen

60 Jahre Nordische Filmtage Lübeck – das will gebührend gefeiert werden: 199 Filme hat das Festivalteam um Linde Fröhlich und Florian Vollmers in diesem Jahr ausgewählt und das Festival extra um einen Tag erweitert. Fans nordischer Filme kommen vom 30. Oktober bis 4. November somit voll auf ihre Kosten. Ihr wollt ein paar Tipps? Bekommt ihr!

Sechs Tage, 199 Filme, vier Kinos und neun Film-Preise: Willkommen bei den Nordischen Filmtagen Lübeck. Auf Schleswig-Holsteins Cineasten wartet ein prall gefülltes Festivalprogramm aus nordischen Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen, das kaum Wünsche offen lässt. Die Filme werden in den insgesamt neun Sektionen Filmforum, Feature Films – Competition, Retrospective, Specials, Documentary Films, Short Films, Children's and Youth Films, Drama Series sowie 360 Grad Films gezeigt. Daneben gibt es zahlreiche Sonderveranstaltungen wie Stummfilmkonzerte, Ausstellungen, Installationen, Industry Meetings und eine Master Class. Mit der Sektion Filmforum wird auch in diesem Jahr wieder ein Fokus auf Filme aus Hamburg und Schleswig-Holstein gelegt - und auch in der Sektion "Special" dürft ihr euch über den einen oder anderen Film freuen, der im Norden oder aus dem Norden heraus produziert wurde. Ob Aufstand der Matrosen, Another Day of Life oder auch In Love and War: In diesem Jahr wurden viele Geschichtsstoffe spannend aufgearbeitet, aber auch darüber hinaus gibt es viel zu entdecken.Wir haben ein paar Programmhighlights für euch zusammengestellt:

Sibel

Nach den Festivals in Locarno und Toronto kommt die mitreißende Emanzipations- Geschichte Sibel von Çağla Zencirci und Guillaume Giovanetti nun auch nach Lübeck. Die 25-jährige Sibel lebt in einem kleinen Dorf in den Bergen am Schwarzen Meer und ist seit ihrer Kindheit stumm. Sibel ist jedoch in der Lage, sich durch eine Pfeifsprache zu verständigen, die sie bei den anderen Dorfbewohnern allerdings zur Außenseiterin macht. Eines Tages trifft die junge Frau einen Deserteur der türkischen Armee, der sich im Wald versteckt - und ihr eine neue Sicht auf die Dinge zeigt. Koproduzent des internationalen Films ist Riva Film, die es mit dem Drama "Die Wunde" bereits auf die Oscar-Shortlist 2018 geschafft haben.

 Wann? 31. Oktober, 19:15 Uhr, CineStar 7

Was uns nicht umbringt

Der neue Film der Hamburger Regisseurin und Drehbuchautorin Sandra Nettelbeck nimmt uns mit in das turbulente Leben des Psychotherapeuten Max (August Zirner), der mit zwei jugendlichen Töchtern, einer Ex-Frau, die zugleich seine beste Freundin ist und jeder Menge schräger Patienten, von denen er sich auch noch in eine verliebt, alle Hände voll zu tun hat. In weiteren Rollen sind unter anderem Johanna ter Steege, Barbara Auer, Jenny Schily, Peter Lohmeyer und Bjarne Mädel zu sehen. Der Film feierte seine Premiere bereits beim Filmfest in Locarno.

Wann? 3. November, 19.15 Uhr, CineStar 7

Goliath96

In dem Langfilmdebüt von HfbK-Absolvent Marcus Richardt spielt Katja Riemann eine Frau, die verzweifelt versucht, eine Verbindung zu ihrem 21-jährigen Sohn (Nils Rovira-Munoz) aufzubauen, der sein Zimmer seit 2 Jahren nicht mehr verlassen hat und nur in seiner Online-Welt lebt. Neben Bandits-Darstellerin Katja Riemann wird auch ihre ehemalige Bandkollegin Jasmin Tabatabai in einer Nebenrolle zu sehen sein. Das von der Hamburger Firma Skalar Film produzierte Drama hatte mehrere Drehtage in Hamburg.

Wann? 1. November, 19.15 Uhr, CineStar 7

Another Day of Life

Der in Cannes gefeierte Animationsfilm Another Day of Life von Raul de la Fuente und Damian Nenow war in Deutschland zum ersten Mal auf dem Filmfest Hamburg zu sehen. Der Film ist die packende Geschichte einer dreimonatigen Reise des berühmten polnischen Reporters Ryszard Kapuściński durch das kriegszerstörte Angola. Auf dem 20. Cartoon Movie, dem Branchentreff der europäischen Animationsfilmindustrie, wurde das Team von Another Day of Life bereits als "Producer of the Year" ausgezeichnet. Hinter dem Animationsfilm stecken die Hamburger Firmen Wüste Film und Animationsfabrik.

Wann? 3. November, 16.15 Uhr, CineStar 7

Verachtung

In Verachtung, der vierten Verfilmung der Jussi Adler Olson-Krimis, schlüpfen die Filmstars Fares Fares und Nikolaj Lie Kaas erneut die Rolle des dänischen Ermittlerduos Carl Mørck und Assad. Für den Film der Produktionsfirma Zentropa Hamburg hat Regisseur Christoffer Boe über 30 Tage lang im Film-Norden gedreht. Im Zentrum der Geschichte steht eine Frau, die in einem Heim für schwererziehbare Mädchen misshandelt wurde und jetzt Rache an ihren ehemaligen Peinigern nimmt.

Wann? 31. Oktober, 22:30 Uhr, CineStar 3 sowie am 1. November, 19 Uhr, Kolosseum

1918. Aufstand der Matrosen

Das Doku-Drama von Jens Becker erzählt die Geschichte des Kieler Matrosenaufstands am Ende des Ersten Weltkriegs. Dieser war die Initialzündung für die revolutionäre Bewegung, die im November 1918 das Deutsche Reich ergriff und zum Sturz der Monarchie sowie zum Ende des Ersten Weltkriegs führte. Alle Aufnahmen sind komplett in Schleswig-Holstein und Hamburg entstanden – Produzent ist die Firma Riva Film aus Hamburg Ottensen.

Wann? 30. Oktober, 19.15 Uhr, CineStar 7

In Love and War

Das Melodram In Love and War von Regisseur Kasper Torsting behandelt die Geschichte Dänemarks und Deutschlands im Ersten Weltkrieg und beruht auf einer wahren Geschichte: Der dänische Soldat Esben kämpft zwangsweise auf der Seite der Deutschen und täuscht im Krieg eine Verletzung vor, um nach drei Jahren endlich wieder zu seiner Frau Kristine und seinem Sohn zurückkehren zu können. Während seiner Abwesenheit hat sich jedoch so manches verändert in der Heimat – an seine Stelle ist ein deutscher Offizier getreten der versucht, das Herz von Kristine zu gewinnen. Produziert wurde In Love and War unter anderem von NordFilm Kiel und der Hamburger Produktionsfirma Tamtam Film.

Wann? 1. November, 19.45 Uhr, CineStar 2 sowie am 2. November, 22.30 Uhr, CineStar 3

Im Land meiner Kinder

Eigentlich war Dario wegen Stephanie aus Ecuador nach Deutschland gekommen, aber die Behörden gehörten vom ersten Tag zu ihrer Beziehung dazu. In den folgenden 15 Jahren sollten sie ihm insgesamt 10 Visa ausstellen. Und dann das: Der Bürgermeister von Hamburg lädt Dario ein, Deutscher zu werden. Der HFBK-Absolvent Darío Aguirre hat mit Im Land meiner Kinder ein zärtlich-ironisches Roadmovie geschaffen, das seinen verschlungenen Weg vom Land seiner Väter in das Land seiner Kinder zeigt.

Wann? 1. November, 10.15 Uhr, CineStar 7

Von Bienen und Blumen

Filmemacherin Lola Randl geht in ihrem Dokumentarfilm Von Bienen und Blumen der Frage nach, ob das Landleben erfüllender ist als ein Leben in der Stadt. Die Berlinerin kehrte der Hauptstadt selbst vor einigen Jahren den Rücken und hat ihr Glück in einem kleinen Dorf in der Uckermark gefunden. Der Film ist ein Porträt von Städtern, die sich in unbekanntes Terrain aufmachen und versuchen, auf dem Land heimisch zu werden. Produzent ist die Hamburger Firma Detailfilm.

Wann? 2. November, 16.15 Uhr, CineStar 7

Wo kein Schatten fällt

Die vierzehnjährige Hanna kehrt für die Sommerferien in ihr Heimatdorf zurück, das abgeschottet hinter dem Moor liegt. Die eingeschworene Dorfgemeinschaft begegnet Hanna mit Misstrauen, denn mittlerweile sieht sie ihrer verschwundenen Mutter auffällig ähnlich. Diese war als Hexe verschrien und hat angeblich drei Männer in den Tod gelockt. Der Mystery-Film ist im Rahmen des Nordlichter-Förderprogramms entstanden, mit dem der NDR, die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und nordmedia Nachwuchsfilmemacher aus dem Norden unterstützen. Produzent ist die Hamburger Firma „Das Kind mit der goldenen Jacke".

Wann? 30. Oktober, 22.15 Uhr, CineStar 7

HolsteinHerz

Seit der Gründung 1990 begeistern sich zahlreiche Fußballfans des nördlichsten Bundeslandes für den Club Holstein Kiel. Die Dokumentation von Jess Hansen und Johanna Jannsen begleitet die Störche in der erfolgreichen und turbulenten Saison 2017/1018.

Wann? 4. November, 19.15 Uhr, CineStar 7

An den Rändern der Welt

In dem Dokumentarfilm An den Rändern der Welt reist der Fotograf und Greenpeace-Aktivist Markus Mauthe quer durch die Welt, um das Leben der letzten indigenen Gemeinschaften einzufangen. Mit intensiven Bildern versuchen Mauthe und der Hamburger Regisseur Thomas Tielsch, uns ihre Kultur nahezubringen und zu zeigen, dass diese Gemeinschaften die ersten sind, die die Folgen der Globalisierung direkt zu spüren bekommen. Ein Film, der die kulturelle und ökologische Vielfalt unseres Planeten auf beeindruckende Art und Weise auf die große Leinwand bringt.

Wann? 31. Oktober, 13.15 Uhr, CineStar 7

Khello Brüder

Hille Norden war mit ihrem Erstlingswerk „Jola" die jüngste von der Filmwerkstatt Kiel geförderte Filmemacherin – mit gerade einmal 16 Jahren. In ihrem neuen Film Khello Brüder begleitet sie die beiden syrischen Brüder Tarek (Journalist) und Zakwan (Künstler), die aus ihrer Heimat Aleppo nach Deutschland geflohen sind und mit der Regisseurin jetzt über das erlebte sprechen.

Wann? 2. November, 10.15 Uhr, CineStar 7

Hans Blumenberg – Der unsichtbare Philosoph

Drei Spurensucher reisen in Christoph Rüters Film in einem Bus quer durch Deutschland, um sich von dem Philosophen Hans Blumenberg ein Bild zu machen. Sie sprechen mit Menschen, die ihn gekannt haben, diskutieren seine Gedanken. Ausgangspunkt ist Blumenbergs Heimatstadt Lübeck, von hier folgen die Drei dem langen Weg seines Lebens und Denkens. Er führt sie über Münster, Heidelberg, Marbach, Stuttgart, München bis nach Zürich. An all diesen Orten kommen Zeugen zu Wort, die Blumenberg noch gekannt haben, die von seinem Charakter und seiner unglaublichen Präsenz berichten.

Wann? 31. Oktober, 16.45 Uhr, CineStar 2

Sankt Paulis starke Frauen - Reeperbahner*innen

"Die Spannbreite der wunderbaren Frauen, die Rasmus Gerlach für sein ungewöhnliches St. Pauli-Porträt getroffen hat, reicht von Burlesque-Performerin Eve Champagne über die legendäre Kneipenwirtin Ille von der Kiez Klause, ihr junges Gegenstück Betty Kupsa, „Barfrau des Jahres 2016", bis hin zu Franca Cuneo, Chefin des 1905 gegründeten, legendären Italieners in der Davidstraße. Sie und viele mehr sind mit Herz und Seele Reeperbahnerinnen und haben ein liebevoll abgeklärtes Verhältnis zum bunten Treiben rings um sie herum. Wie auch die Musikerinnen der Liverbirds, die in den 60er-Jahren nach Hamburg kamen und nie wieder fort gingen.... obwohl Bassistin Mary Dostal eigentlich Nonne werden wollte. Gemeinsam mit Bernadette La Hengst liefert sie nun den Soundtrack für den Film. Und natürlich darf eine echte Nonne auch nicht fehlen."

Wann? 2. November, 23.00 UHr, CineStar 7

Chinesische Radikale

Die chinesische Künstlerin und Kalligraphin Ping Qiu und der Historiker und Schriftexperte Jürgen Bönig besuchen die ehemalige Druckerei J.J. Augustin in Glückstadt. Seit 1905 war sie eine der bedeutendsten Fremdsprachendruckereien in Europa. Jürgen Bönig hat Ping Qiu nach Glückstadt eingeladen, um den Matrizenbestand zu sichten. Beim Stöbern in den verlassenen Räumen finden sie Kästchen mit Matrizen von chinesischen Schriftzeichen, von deren Existenz man bisher nichts wusste. Was verbirgt sich dahinter, wie wurde damit gearbeitet?  Ein filmischer Ausflug in die Welt der chinesischen Radikalen von den beiden Filmemachern Maria Hemmleb und Artur Dieckhoff.

Wann? 1. November, 16.15 Uhr, CineStar 7

Auch Leben ist eine Kunst - Der Fall Max Emden

Den Namen Max Emden kennt heute fast niemand mehr – seine Kaufhäuser des Hamburgers jedoch schon, wie z. B. das KaDeWe in Berlin oder den Oberpollinger in München. Der 1874 in Hamburg geborene Sohn einer angesehenen jüdischen Handelsfamilie war aber mehr als ein Kaufhauskönig. Er war einer der großen Mäzene der Stadt. Er besaß atemberaubende Originale von Malern wie Van Gogh, Canaletto oder Monet, die im zweiten Weltkrieg von denNationalsozialisten beschlagnahmten wurde. Gemälde, die Jahrzehnte später in den Räumen des Bundespräsidenten wieder auftauchen. 

Wann? 30. Oktober, 16:15 Uhr, CineStar 7

Es ist Zeit – Der Maler Klaus Fußmann

Der Portraitfilm Es ist Zeit – Der Maler Klaus Fußmann von Wilfried Hauke folgt dem Künstler in seine Ateliers in Gelting an der Ostsee und in Berlin – und versucht dabei, dem Geheimnis dieses höchst modernen Romantikers auf die Spur zu kommen.

Wann? 4. November, 13.15 Uhr, CineStar 7

Darüber hinaus wird im Filmforum diverse Kurzfilme zu sehen geben, zu denen unter anderem der Experimentalfilm Steine von Jörn Staeger, Blaue Stunde von HFBK-Absolventin Pia Lamster, Gelato – Die sieben Sommer der Eisliebe von Daniela Opp und der Gruselfilm Forsthaus von Paul-Vincent Mayr gehören. Außerdem dabei, der Film mit dem wahrscheinlich längsten Titel des Festivals: Nach dem letzten Schuss ist noch lange nicht genug von Jess Hansen und Kay Gerdes. Einen Ausflug in die Tatort-Welt könnt ihr mit Borowski und das Glück der anderen machen. Doch ganz egal, wo ihr hingeht: Wir wünschen euch eine filmreiche Zeit!

Titelbild: Georges Pauly - NDR/arte

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