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23.08.2018
Im Gespräch mit Karim MoussaouiZwischen Tradition und Moderne

"Warten auf Schwalben" startet am 23. August in den deutschen Kinos

"Warten auf Schwalben" (En Attendant Les Hirondelles) startet am 23. August in den deutschen Kinos und erzählt von einem Algerien, das sich neu auszurichten versucht. 2017 feierte Regisseur Karim Moussaoui mit seinem Film in Cannes Premiere und lief auch auf dem Filmfest Hamburg. Die Hansestadt war für Moussaoui jedoch kein unbekannter Fleck auf der Landkarte – denn die Postproduktion seines Films fand ebenfalls hier im Norden statt.

Im März 2017, als wir Moussaoui in den Hamburger LOFT-Studios treffen, will er noch nichts von den Filmfestspielen in Cannes wissen. "Die haben sich noch nicht gemeldet", ist sein bescheidenes Statement. Dass die Fachpresse seinen Film schon damals relativ sicher im Festivalprogramm sah, brachte ihn nicht aus der Ruhe.

Doch dann war eingetroffen, was die Schwalben schon damals von den Dächern pfiffen: Der Film feierte in Cannes in der Sektion 'Un Certain Regard' seine Weltpremiere und war später auch beim Filmfest Hamburg zu sehen. Die internationale Produktion, die auf deutscher Seite von Niko Film produziert wurde, spielt im Algerien von heute: Drei Geschichten zeichnen das kontrastreiche Bild eines Landes, das zwischen der Last der Tradition und dem Streben nach Modernität hin- und hergerissen ist. Moussaoui ist dabei einer der wenigen algerischen Filmschaffenden und damit eine wichtige Stimme des Landes.

"Es ist schwer, in Algerien einen Film zu machen. Finanzielle Unterstützung ist alles andere als verlässlich, außerdem gibt es dort keine Filmschulen und somit auch keine gelernten Kräfte. Alles ist learning by doing", erzählt uns Moussaoui in Hamburg. Umso wichtiger seien für ihn und seine algerischen Kolleg*innen internationale Koproduktionen. Vor allem mit Frankreich werde viel zusammengearbeitet, oder auch, wie in diesem Fall, mit Deutschland.


Viele andere algerische Filmschaffende würden früher oder später nach Frankreich auswandern. Für Moussaoui kommt das nicht in Frage: "Es ist gerade eine sehr spannende Zeit in Algerien, eine Zeit der Neuorientierung". Zwar bleibe es politisch immer noch sehr brisant, aber gesellschaftlich sei das Land seit dem Ende des Bürgerkrieges in den 90er Jahren im Wandel. "Und wenn ich Geschichten über meine Heimat erzähle, dann muss ich auch dort Leben".

Niko Film; FFHSH, Marcel Wicker

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