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17.02.2017
Anhörung des Parlamentarischen Beirats Grünes Drehen wird politisch

Die Expert*innen vor dem Bundestag

Deutschland hat sich zu einer ambitionierten Umsetzung der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung bekannt. Nachhaltigkeit in der Filmbranche ist als Aufgabe der FFA im Filmfördergesetz festgeschrieben worden und auch die Berliner Landesregierung hat sich im Koalitionsvertrag verbindlich zu Nachhaltigkeit am Medienstandort Berlin-Brandenburg positioniert. Nun wurde das Thema bei einer öffentlichen Anhörung des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung weiter vertieft. Als Expert*innen waren der Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft, Alfred Holighaus, die Production-Managerin Korina Gutsche, der Regisseur, Produzent und Nachhaltigkeitsmanager Philip Gassmann sowie Christiane Dopp, Projektleiterin der FFHSH-Initiative Grüner Drehpass, geladen. 

Gastausweis

Laut einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr sei zwei Dritteln der Filmproduzent*innen klar, dass in Sachen Nachhaltigkeit etwas passieren müsse, so Alfred Holighaus. Nur knapp die Hälfte der Produzent*innen versuche jedoch tatsächlich nachhaltig zu produzieren, was zumeist mit den damit verbundenen höheren Kosten erklärt werde.

Korina Gutsche sagte, immer mehr Produktionsfirmen versuchten klimafreundlich zu produzieren, also Abfall, Logistik und Transport zu kontrollieren. Als positives Beispiel benannte sie die Bavaria Filmstudios, die als klimaneutrales Filmstudio zertifiziert seien. Gutsche, die Seminare zum Thema "klimafreundliche Filmproduktionen" anbietet, verwies zudem auf die bis 2012 produzierte ZDF-Reihe Der Landarzt, welche die erste klimaneutrale TV-Serie Europas gewesen sei. Positiv bewertete sie auch den von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein entwickelten Grünen Drehpass.

Christiane Dopp von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein sagte, mehr als 85 Produktionen seien seit 2012 mit dem Grünen Drehpass ausgezeichnet worden. Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein erkenne zudem die Position "Grüne Berater*in" bei einer geförderten Produktion kalkulatorisch an. Dopp forderte einheitliche ökologische Standards in ganz Deutschland, bundesweite Richtlinien für alle Filmförderungen sowie Ausbildung und Schulungen für Grüne Berater*innen.

„Produzenten, Hersteller, Dienstleister und Verleiher, die umweltfreundliche Technologien in den Markt bringen, müssen unterstützt werden.“
Philip Gassmann

Der Regisseur und Produzent Philip Gassmann, Nachhaltigkeits-Manager der Bavaria GmbH, machte deutlich, dass umweltfreundliche Filmproduktionen möglich seien, es dafür aber eines großen Technologiewechsels bedürfe. Klassische Filmproduktionen seien riesige Umweltverschmutzer, so Gassmann. Dies habe mit der hohen Mobilität und den damit verbundenen vielen Transporten zu tun.

Anhörung des Parlamentarischen Beirats

Ein großer Faktor sei auch der hohe Stromverbrauch, der sich aus dem bei der Produktion benötigten Licht ergebe. Hier gebe es Alternativen in Form von LED-Lampen, die aber kein Verleih von Filmequipment vorrätig habe, da deren alte Lampen abbezahlt seien und damit Geld verdient werden könne. Ähnlich sei es beim Thema Mobile Energie. Umweltfreundliche Hybrid-Stromspeicher oder Photovoltaikanlagen habe ebenfalls kein Verleih im Angebot, bemängelte Gassmann. Seine Forderung lautete daher: "Produzent*innen, Hersteller*innen, Dienstleister*innen und Verleiher*innen, die diese umweltfreundlichen Technologien in den Markt bringen, müssen unterstützt werden."

Dopp, Gutsche, Gassmann, Holighaus

Die von Gassmann geschildert Problematik sei zutreffend, bestätigte Alfred Holighaus. Der Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft forderte, die von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein praktizierte Anerkennung von "Grünen Berater*innen" in der Filmförderung auszuweiten. Außerdem sollte seiner Ansicht nach, wenn im Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender produziert werde, "für nachhaltiges Produzieren etwas draufgelegt werden".

Green Film Shooting

In Kooperation mit der Filmjournalistin Birgit Heidsiek und der Fachzeitschrift Filmecho Filmwoche gibt die Filmförderung seit 2013 zur Berlinale das Magazin Green Film Shooting heraus, um den Stand nachhaltiger Dreharbeiten in der audiovisuellen Industrie umfassend zu dokumentieren. Nachhaltigkeit ist bereits in vielen anderen Industrien wie dem Fahrzeugbau oder der Energiewirtschaft ein zentrales Thema. Inzwischen hat sich in der globalisierten Welt die Erkenntnis durchgesetzt, dass mit Energieeffizienz zugleich eine Kostenersparnis einhergeht. Mit Green Film Shooting wird der Medienindustrie eine Plattform geboten, um sich weltweit über Ansätze für nachhaltiges Wirtschaften zu informieren. www.greenfilmshooting.net

Ina Hössler, Julia Neuhaus

Panel zu umweltfreundlicher Medienproduktion im Rahmen der Berlinale.

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