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11.06.2019
Die Olchis kommen ins KinoWillkommen in Schmuddelfing

Das warten hat sich gelohnt: Im Herbst 2020 starten die Olchis endlich in den deutschen Kinos

Sie sind klein, grün und lieben es, ihren eigenen Müll zu essen. Die Olchis haben in deutschen Kinderzimmern mittlerweile Kultstatus erreicht, 2020 kommen sie mit der Hilfe der Hamburger Produktionsfirma WunderWerk auf die große Leinwand. Regisseur Jens Møller und Produzentin Sunna Isenberg reden mit uns über die Entwicklung des Looks, die Metaebenen des Films – und warum in der englischen Version weniger gerülpst wird.

Im Jahr 2020 kommen die Olchis endlich auf die große Leinwand. Wie lange arbeitet ihr bereits an dem Stoff?

Sunna Isenberg: Es ist weit über zehn Jahre her, als der Verlag Friedrich Oetinger mit der Idee zum Film zu uns gekommen ist. Damals waren die Olchis bereits sehr bekannt - zunächst wurden die Rechte jedoch anderweitig vergeben. Der richtige Zugang für eine filmische Umsetzung konnte damals aber nicht gefunden werden. Denn eines muss man über die Olchis wissen: Sie sind sehr relaxt und haben eigentlich nie Probleme. Schlechte Voraussetzungen also für die Dramaturgie eines Kinofilms. Außerdem muss man natürlich immer schauen, dass man die Marke – also in unserem Fall die Olchis – nicht zu sehr verändert durch das Filmformat. Die Rechte wurden dann irgendwann wieder freigegeben und so haben die Olchis bei uns ihre filmische Heimat gefunden. 2016 hat das Skript von John Chambers dann den Animationsdrehbuchpreis in Stuttgart gewonnen, was dem Projekt einen kräftigen Schub gab. Seitdem arbeiten wir mit Hochdruck daran.

Stolz auf ihre grüne Familie: Regisseur Jens Møller und Produzentin Sunna Isenberg von WunderWerk

Was musstet ihr ändern, um die Olchis aus der Romanvorlage fit für die Leinwand zu machen?

Sunna Isenberg: Bei der Adaption von Buchillustrationen zu Filmbildern muss man natürlich immer ein wenig den Look der Charaktere anpassen, so dass sie auf der großen Leinwand frisch und modern wirken. Uns war von Anfang an wichtig, dass sich die außergewöhnliche, liebenswürdige Art der Olchis auch bei unserem CGI-Film in ihrem Äußeren widerspiegelt. Außerdem muss man natürlich auch die heutigen Sehgewohnheiten der Kinder mitbedenken. So war die Lookentwicklung für die 3D-Charaktere wirklich aufwendig, aber sie hat sich gelohnt.

Finger, Schuhe, Haar, Lächeln: Alles muss bei der Entwicklung des Charakters mitbedacht werden

Toby Genkel hat das Projekt „Die Olchis" lange als Regisseur begleitet – im Juli 2018 hat Jens Møller dann seinen Posten übernommen. Wie ist es dazu gekommen?

Sunna Isenberg: Toby Genkel hatte zu dieser Zeit bereits lange an den Olchis gearbeitet und musste sich dann vertraglich anderen Projekten widmen. Er war federführend für die Pre-Production verantwortlich und hat außerdem am Drehbuch mitgeschrieben. Wir mussten uns also zum Ende der Pre-Production-Phase auf die Suche nach einem neuen Regisseur machen – und haben mit Jens Møller jemanden gefunden, dessen Vision mit Tobys zusammenpasste. Er brachte jede Menge internationale Expertise mit, hatte in Kopenhagen bereits Regie für Serien wie Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg geführt und an riesigen Projekten wie Lego Star Wars für Disney gearbeitet. Die Wahl fiel uns also nicht schwer. Jens und Toby haben noch gut zwei Monate zusammen an dem Projekt gearbeitet – es war also ein sanfter Übergang, und Toby konnte das Projekt beruhigt gehen lassen.

Jens Møller: Die Abstimmung mit Toby verlief super. Das Projekt war an einem guten Punkt angekommen, um eine Staffelübergabe zwischen uns Regisseuren zu machen.

Was waren die arbeitsintensivsten Schritte während der Entstehung des Films?

Sunna Isenberg: Aus Produzentensicht ist, glaube ich, der arbeitsintensivste Schritt die Finanzierung eines Films. Man muss mit verschiedenen Studios und Förderern aus unterschiedlichen Teilen des Landes und dem Ausland – wie hier bei den Olchis mit Belgien – zusammenarbeiten. Das bedarf sehr viel Koordination.

Jens Møller: Für den Regisseur ist jeder Work-Step intensiv. (lacht) In Hamburg hat ein großer Teil des Designs und der Vorarbeit stattgefunden, hier halten wir die Fäden zusammen. Von hier aus steuere ich auch derzeit die Supervision der Arbeiten, die gerade in Wiesbaden, Frankfurt, Stuttgart und Gent stattfinden. Aktuell sind wir beim Shading, Texturing und Colouring, damit die Figuren in 3D später den richtigen Look haben.

Sunna Isenberg: Auch der Animationsprozess läuft bereits und die Olchis sind zum Leben erwacht. Als die Olchis ihre ersten richtigen Schritte gemacht haben, hab ich tatsächlich ein Tränchen verdrückt – nach so langer Vorbereitungszeit war das ein Meilenstein.

Viel Liebe zum Detail: Der Schmuddelfinger Marktplatz

Jens, welche Story wolltest du mit den Olchis erzählen bzw. was war deine Vision?

Jens Møller: Ich kannte die Olchis vorher gar nicht, bin nicht mit ihnen aufgewachsen, da ich gebürtiger Däne bin. Für mich stellte sich also die Frage, wie man die Geschichte möglichst unterhaltsam im Kinoformat erzählen kann. Außerdem war der Immigrationsaspekt für mich sehr wichtig. Die Olchis kommen im Film in eine neue Kultur, eine neue Stadt. Doch die Bewohner wollen sie dort nicht, da sie zu anders und zu komisch sind. Ein mehr als aktuelles Thema, mit dem wir in unserer Gesellschaft jeden Tag konfrontiert werden. Der Film thematisiert auf sehr humorvolle Art, wie man trotz anfänglicher Zweifel zusammen leben kann und voneinander lernt. Neben den Kids hat sich die Frau des Bürgermeisters ganz klar als eine der Hauptfiguren herausgestellt. Sie durchläuft einen großen Wandel während des Films.

Ist sie dein Lieblingscharakter?

Jens Møller: Sie trägt einen wichtigen Teil der Geschichte und ist für mich ein sehr interessanter Charakter. Sie ist eine Businessfrau und will, dass mehr Touristen nach Schmuddelfing kommen. Sie muss erst lernen, dass eigentlich vieles schon gut läuft, wie es ist. Für mich sind die Szenen zwischen den Olchis und den Dorfbewohnern aber ganz klar der eigentliche Star der Geschichte.

Sunna Isenberg: Ja, unbedingt – die Olchis sind die absoluten Helden unseres Abenteuers!

Die Olchis in einem früheren Stadium

Es geht im Film um eine stinkende Stadt – inwieweit habt ihr euch mit den Themen „Nachhaltigkeit" und „Umweltschutz" beschäftigt?

Jens Møller: Das sind natürlich Themen, die wir im Film auf einer Metaebene ebenfalls ansprechen – wir zeigen, was die Menschen der Natur antun. Die Olchis hingegen essen ihren Müll und beseitigen ihn so einfach selbst. Der Film ist also auch ein bisschen politisch – allerdings auf sehr unterhaltsame, kindgerechte Weise. Das war am Anfang nicht geplant und hat sich erst Stück für Stück herauskristallisiert.

Sunna Isenberg: Wir machen natürlich keinen „Erklärfilm" über Umweltschutz. Die Olchis sind echtes Family Entertainment. Das wichtige Thema Nachhaltigkeit wird also eher subtil vermittelt als es im Vordergrund steht. Ich denke aber, dass die Kinder und Erwachsenen mit anregenden Gedanken – auch zu diesem Thema – aus dem Film rausgehen werden.

Sind die Olchis also ein gutes Vorbild?

Jens Møller: Ich denke, sie sind in vielerlei Hinsicht ein gutes Vorbild für uns – besonders unter sozialen Aspekten. Wir sorgen uns oft um die falschen Dinge, beziehungsweise machen uns generell zu viele Sorgen. Wir sollten etwas entspannter sein und alle zusammen eine gute Zeit haben.

Sunna Isenberg: Die Olchis sind wie eine große italienische Familie, bei der unterschiedliche Generationen unter einem Dach wohnen. Sie essen immer zusammen und sind generell gerne zusammen und helfen sich. Deshalb mögen die Kids sie vielleicht auch so sehr.

Die Olchis lieben es zu rülpsen und zu pupsen. Stimmt es, dass ihr in anderen Ländern einige Sounds herausschneiden musstet?

Sunna Isenberg: Das stimmt tatsächlich. Denn in Deutschland gibt es eine große Fangemeinde, die es liebt, wenn die Olchis rülpsen und pupsen. Also tun sich das in der deutschen Version hin und wieder. In der internationalen Version werden sie das jedoch kaum machen, weil Verleiher zurückhaltender sind, wenn sie solche Szenen im Skript lesen.

Die Olchis sind nicht gerade sehr ordentlich – wie sieht es bei dir zu Hause aus, Jens?

Jens Møller: Ich bin kein Olchi, allerdings auch nicht super sauber. Aber ich bring natürlich den Müll raus und esse ihn nicht. (lacht) Außerdem bin ich ja kaum zu Hause – ich muss also nur ab und zu mal die Staubschicht auf den Möbeln wegwischen.

WunderWerk/GRID Animation/Verlag Friedrich Oetinger/Universum Film

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