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16.02.2017
Ein Gespräch mit Monika TreutIdentitäten stärken

Monika Treut

Der Special Teddy Award zeichnet seit 31 Jahren Filme und Filmschaffende aus, die mit queeren Themen und filmischen Engagement einen Beitrag für Gleichstellung, Akzeptanz und Vielfalt in der Gesellschaft leisten. Ein Gespräch mit der diesjährigen Preisträgerin Monika Treut aus Hamburg.

Monika Treut, Panorama und Berlinale: Das ist eine langjährige und erfolgreiche Beziehung. Jetzt bekommst Du den Special TEDDY Award. Wie hast Du auf die Auszeichnung reagiert?

Ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut. Es bedeutet ja nicht nur Anerkennung dafür, dass man so lange in diesem aufreibenden Beruf durchgehalten hat, sondern auch, dass die älteren Filme zu kleinen Klassikern geworden sind.
Monika Treut

Monika Treut prägt nicht nur das feministische und lesbische Kino seit den 80er Jahren, sondern auch die deutschsprachige unabhängige Filmszene bis in die US-Amerikanische Indie-Szene hinein. Die Unerschrockenheit ihrer Sujets und ihrer Filmästhetik sind eng verwandt mit der befreienden Energie der Sponti-Bewegung der 70er-Jahre.

Was glaubst Du mit Deinen Filmen bewirkt zu haben?

Das ist von Film zu Film unterschiedlich. Zu den frühen feministischen Punk-Filmen aus den 1980er Jahren habe ich viele Rückmeldungen von jungen Frauen aus verschiedenen Kulturen, selbst aus Indien und der Türkei, bekommen, die sich durch die rebellischen Frauenbilder in ihrer Identität gestärkt fühlten. Der Dokumentarfilm Kriegerin des Lichts beispielsweise hat viele Zuschauer inspiriert, dem dargestellten Kinderprojekt, Projeto Uerê, in Rio Spenden zukommen zu lassen und Patenschaften für Favela-Kinder zu übernehmen. Die im Folgefilm Zona Norte vorgestellte Pädagogik der Protagonistin Yvonne B. de Mello wird in etlichen Flüchtlingslagern der Türkei zur Ent-Traumatisierung benutzt. Die türkischen Pädagoginnen erfuhren von dieser Methode durch die Vorführungen des Films in Ankara.
Verführung - Die grausame Frau (1985)
Die Jungfrauenmaschine (1988)
Die Jungfrauenmaschine (1988)
Female Misbehavior (1992)
Gendernauts (1999)
Zona Norte (2016)

Du bist weit über die Grenzen Europas bekannt und hast vor allem einen Namen in der US-Amerikanischen Indie-Kinoszene. Wie bewertest Du die aktuellen Entwicklungen, was hörst Du von Deinen Filmkolleg*innen?

In der vor-digitalen Zeit haben sich einige meiner Kolleg*innen böse verschuldet, da die Produktionskosten auf Zelluloid so viel größer waren. Heute passiert das weniger. Es gibt aber eine so viel höhere Anzahl von Filmen, dass heute das ärgste Problem - nicht nur für die Indies in den USA –die Frage nach einer vernünftigen Auswertung unserer Filme darstellt. Wie können wir die Zuschauer im Kino, auf den TV-Kanälen, im Internet erreichen und gleichzeitig davon leben?

Dein neuestes Projekt Gendernauts Revisited führt Dich zurück zu den Protagonisten Deines Films Gendernauts aus dem Jahr 1999. Wie kamst Du auf die Idee? Hat der Kontakt über die Jahre gehalten?

Die Idee kam von den Zuschauer*innen. In Diskussionen nach dem Film wird immer wieder gefragt, wie es den Protagonisten von damals heute geht. Mir fiel dann auf, dass es wenig Material von und über ältere Transsexuelle gibt. Außerdem interessierte mich auch, wie Transies, gerade die Frau-zu-Mann-Transexuellen, mit ihrer veränderten Geschlechts-Identität im Prozess des Alterns umgehen. Der Kontakt zu ihnen ist Dank der sozialen Medien sehr gut. Mit allen bin ich dort vernetzt und wir nutzen Messaging-Dienste, um uns auszutauschen.
Monika Treut, Hyena Films

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