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16.02.2017
Renate Rose & Sonja HeinenKompetenzzentrum für den Europäischen Film

Renate Rose & Sonja Heinen

Ende März 2017 übergibt die langjährige Geschäftsführerin der European Film Promotion (EFP) Renate Rose ihren Leitungsposten an Sonja Heinen, die zuletzt den Berlinale Co-Production Market und den World Cinema Fund verantwortet hat. Ein Gespräch über europäische Filme, Netzwerke und zukünftige Projekte.

Frau Rose, Sie haben EFP mitgegründet und entscheidend geprägt. Worauf sind Sie besonders stolz?

Ich freue mich sehr, dass wir mit unserem Netzwerk mit aktuell 38 Mitgliedern aus 37 Ländern weltweit für den europäischen Film unterwegs sind und wir hier in Hamburg mit unserem Team eine große Expertise aufgebaut haben. EFP hat sich im Laufe der letzten 20 Jahre zu einem Kompetenzzentrum für den europäischen Film entwickelt.

Ihre Mitglieder sind Filminstitute, Promotionagenturen und Ministerien aus den jeweiligen Ländern und Kenner der Filmbranche. Fällt es schwer, alle Interessen unter einen Hut zu bringen?

Mit unseren Initiativen verfolgen wir das Ziel, den europäischen Film in seiner gesamten Bandbreite und Vielstimmigkeit zu vermarkten. Dazu gehört für uns vor allem, die jeweiligen nationalen Eigenheiten zu berücksichtigen und zu stärken. Alle Mitglieder sind in unserem Netzwerk gleichberechtigt und können ihre Wünsche und Forderungen für Initiativen und Programme einbringen. Es ist natürlich immer eine große Herausforderung, die oft sehr unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen und unsere Mitglieder für den europäischen Film als Ganzes zu sensibilisieren. Es ist immer wichtig, bei der Entwicklung neuer Programme möglichst große Schnittmengen zu finden.

Gibt es auch Programme, die auslaufen? Wie evaluieren Sie?

Unsere Programme richten sich wie gesagt nach den jeweiligen Bedarfen unserer Mitglieder, die wir regelmäßig befragen und einmal im Jahr persönlich treffen. Wir haben uns beispielsweise nach sieben Jahren vom "Producers Lab" in Toronto verabschiedet, weil es momentan auf kanadischer Seite keine neuen Produzenten mehr gibt. Als Netzwerk müssen wir flexibel bleiben und uns immer wieder neu erfinden.

Apropos neu erfinden: Frau Heinen, Sie sind eine erfahrene Netzwerkerin und Kennerin des internationalen Filmmarktes. Gibt es bereits neue Ideen?

Wir werden auf jeden Fall das im letzten Jahr beim Sydney Film Festival gestartete Programm "10 Women Directors to Watch" fortsetzen und zehn aktuelle Filme von Filmemacherinnen möglichst in Anwesenheit der Regisseurinnen, dem australischen Markt bzw. Publikum zeigen. In Kooperation mit dem Metrograph Kino in New York starten wir erstmals mit "New Directions: Documentary Series in New York" ein Programm für den nichtfiktionalen Bereich und stellen zehn ganz besondere europäische Dokumentarfilme der Branche, der Presse und dem Publikum in New York vor. Mit beiden Programmen reagieren wir auf die Entwicklungen des Marktes. Interessant sind für uns auch die schnell wachsenden Filmländer im Kaukasus und in der Ukraine. Wir arbeiten mit unseren Mitgliedern vor Ort an einer Produzent*innenveranstaltung, um europäische Produzent*innen und Filmemacher*innen mit den dortigen Filmbranchen zu vernetzen.

Was reizt Sie besonders an Ihrer neuen Aufgabe als EFP-Geschäftsführerin?

Ich finde es großartig, sich jeden Tag mit Europa und der ganzen Filmwelt zu beschäftigen, sich zu vernetzen, Menschen aus aller Welt kennenzulernen und über den Tellerrand zu gucken. Ich bin ein Teamplayer und freue mich von Hamburg aus mit meinen Kolleginnen und Kollegen in ganz Europa zu brainstormen und neue Programme für den europäischen Film zu entwickeln und umzusetzen.

Ein Überblick über 20 Jahre EFP, ihr Netzwerke und Projekte.

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