Interview>3 Fragen an… Andres Veiel

16.02.2017
3 Fragen an… Andres Veiel

Andres Veiel

Andres Veiel ist vielfach ausgezeichneter Regisseur und Autor. Er arbeitet an Projekten, deren Grundlage eine intensive, manchmal jahrelange Recherche ist. Neben Filmen wie Winternachtstraum (1991), Balagan (1993), Die Überlebenden (1996), Black Box BRD (2001), Die Spielwütigen (2004), Der Kick (2006), Wer wenn nicht wir (2011) oder Beuys (2017) schreibt und inszeniert er auch Theaterstücke, die weltweit auf mehr als 100 Bühnen aufgeführt worden sind. 

„... was wäre ich ohne meine Irrtümer.“
Andres Veiel
1

Wie oft gehen Sie ins Kino?

Anfallsartig – zwischen null und zehn Mal pro Monat.
2

Gibt es einen Film, den Sie immer und immer wieder schauen?

Sans Soleil von Chris Marker – immer noch der beste Essayfilm. Ein Reisebericht, der zugleich seismographischer Zustandsbericht der Welt ist - mit einem großartigen Kommentar, der hinter jedem Bild Räume öffnet. Und damit erzählt, was die Bilder nicht zeigen. Und die Bilder zugleich damit so unvergesslich macht, dass ich mich freue, sie bei jedem Sehen neu zu entdecken.
3

Haben Sie bei einer Gremiumssitzung schon einmal ein Filmprojekt abgelehnt, bei dem Sie es hinterher bereut haben?

Ja, was wäre ich ohne meine Irrtümer. Es gibt Projekte, die schlecht geschrieben sind. Und dann gibt es einen Referenzfilm, der großartig ist. Und dann votiere ich wegen des schlechten Skripts gegen das Projekt. Und hinterher sehe ich einen großartigen Film und denke: Hätte ich doch dem Referenzfilm vertraut, da haben er oder sie doch schon bewiesen, dass sie was können.

Den umgekehrten Fall gibt es natürlich auch: Hochglanzprojekte mit viel Antragslyrik und nicht ganz so viel Substanz, die ein bisschen misstrauisch machen. Aber nach langem hin und her hebe ich die Hand, schließlich ist die Produktion auf kontinuierliche Förderung angewiesen, der/die Regisseur*in hat ja schon bewiesen, dass er/sie was kann und ein Sender mit viel Energie und Zuversicht engagiert... Und dann kommt am Ende doch nur ein mittelmäßiger Film raus. Es geht dann nicht ums Rechthaben, sondern um den kleinen Stachel, stattdessen vielleicht ein anderes mutiges, grenzwertiges Projekt mit weniger Antragslyrik und kaum Referenzen nicht gefördert zu haben. Das vielleicht gescheitert wäre. Oder aber ein mutiger, starker Film geworden wäre, auf den wir alle warten.


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