23. Mai 2017
Club mit Ansage

Tommy Schwenk ist Filmausstatter für Werbefilmproduktionen und er verleiht Loungemöbel für Events, zuletzt für die Goldene Kamera in Hamburg. In seinem früheren Leben war er Clubbesitzer in Berlin und mit diesen vielseitigen Kenntnissen genau der richtige Mann für den Clubumbau der Produktion von So was von da.

Als Hauptmotiv für die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Tino Hanekamp konnte die Produktionsfirma C-Films das damals, zum Zeitpunkt des Drehs, noch leerstehende Kulturzentrum Südpol auf dem ehemaligen Betriebshof der Hamburger Wasserwerke in Hammerbrook vorübergehend nutzen. "Das war ein Glücksfall für uns, da alle behördlichen Genehmigungen bereits vorlagen und wir sofort mit dem Ausbau starten konnten", sagt Tommy Schwenk, der zusammen mit der Szenenbildnerin Anna Alaeddine aus Hamburg, den leeren Raum mit großer Expertise und viel Liebe zum Detail in einen Hamburger Kiez-Club verwandelte. "Ich musste schon sehr schmunzeln, als ich das Buch gelesen habe", so Schwenk.

„Vieles habe ich aus meiner Clubzeit in Berlin wiedererkannt, vielleicht nicht mit ganz so vielen Drogen.“
Tommy Schwenk

Erzählt wird die Geschichte einer letzten Party auf der Reeperbahn: Clubbesitzer Oscar Wrobel steht kurz vor dem Ruin, er hat einen Haufen Schulden und sein Etablissement soll abgerissen werden. Während um ihn herum die Silvesterparty in vollem Gange ist, gerät seine Welt aus den Fugen, und auch die seiner Freunde. Regisseur Jakob Lass lässt in So was von da die Schauspieler wie bereits in seinen Filmen Love Steaks und Tiger Girl, improvisieren. Sie werden mit einem Ausschnitt der echten Welt konfrontiert und müssen in und mit ihr spielen. Die Verfilmung ist die erste improvisierte Adaption eines Romans. Ohne künstliche Kulissen und konventionelles Drehbuch wurde in einem echten Hamburger Club gedreht. Lass ging es vor alle darum, das Lebensgefühl des Romans auf die Leinwand zu bringen. Für vier Drehtage wurde der Club Rakete in Hammerbrook eröffnet und inmitten eines echten Partytrubels gedreht. Interessierte hatten die Möglichkeit, sich für die Partys zu bewerben und mitzufeiern. Doch bis es so weit war, hatten Schwenk und Alaeddine noch viel zu tun.

"Nach intensiven Besprechungen mit dem Regisseur, ersten Grundrissen und Plänen haben wir mit den Umbauten und der Einrichtung begonnen", sagt Schwenk, der vieles aus seinen Erfahrungen mit einbringen durfte. Jakob Lass war fasziniert, dass in Tommy Schwenks Club in Berlin das Geschäftsbüro hinter den Damentoiletten lag. "Die Freundinnen meiner jetzigen Frau dachten, ich hätte was mit meinem Geschäftspartner, weil wir immer gemeinsam auf die Toilette verschwunden sind", erzählt Schwenk lachend. Dieses architektonische Detail wurde dann für den Hamburger Club adaptiert. Auch in Sachen Clubbetrieb, Gastronomie habe er Regisseur und Produzenten gut beraten können. Insgesamt zwei Monate dauerte der Umbau, an dem auch die Betreiber des Südpols beteiligt waren. "An die demokratischen Abstimmungsprozesse des Betreiberkollektivs Kulturelles Neuland mussten wir uns erst einmal gewöhnen, aber am Ende hat alles super geklappt."

Es wurden zwei Ebenen bespielt und eingerichtet, ein Live Stagefloor und ein Dancefloor, die mit einem gefakten Fahrstuhl miteinander verbunden wurden. Die Fläche musste für den Dreh noch optisch verkleinert werden. Bei der Inneneinrichtung und der Möblierung des Club konnten sich Anna Alaeddine und Tommy Schwenk sehr frei bewegen und haben den Look auf die Stimmung im Buch und auf die beiden Hauptcharaktere zugeschnitten. Sie haben in verschiedenen Fundi gestöbert und über Ebay-Kleinanzeigen die entsprechenden Gegenstände zusammen gesammelt. "Für den Oberbeleuchter Stefan (Fahle) Meese war der Look noch nicht puffig genug, er kannte die Weltbühne von damals und hat uns gute Tipps gegeben", erzählt Schwenk, der ihn dann mit goldenen Fransen-Wandleuchtern belohnt hat. "Online konnte ich 15 gleiche Lampen aufstöbern, die Reste aus einem ehemaligen Billardsalon, der Stückpreis zehn Euro!"

Nach den vier Party- und Drehterminen im November und Dezember 2016 wurde der Club Rakete wieder zurückgebaut. Teile der Bar wurden recycelt, die für den Film verdunkelte obere Clubetage ist heute ein heller Ausstellungsraum und Teil des Kulturzentrums Südpol mit Technoclub, Veranstaltungsräumen, Tonstudios und weiteren Ateliers.

So was von da mit Niklas Bruhn als Oskar Wrobel, Mathias Bloech als Rocky, Martina Schöne-Radunski als Nina, Bela B. als toter Elvis und Corinna Harfouch als Innensenatorin von Hamburg wird von DCM in die deutschen und Schweizer Kinos gebracht.

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