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13.11.2017
Im Gespräch mit David Kross und Emilia SchüleBerliner Vibe auf dem Schulterblatt

Emilia Schüle und David Kross zusammen mit Nebendarsteller Axel Stein in Simpel

Seit dem 9. November sind Emilia Schüle und David Kross mit Simpel in den deutschen Kinos zu sehen. Ein Film über das ungleiche Brüderpaar Ben (Frederick Lau) und Simpel (David Kross), der geistig auf dem Stand eines Dreijährigen ist. Nachdem die Mutter stirbt, machen sich die beiden auf den Weg nach Hamburg, um ihren Vater zu suchen. Dabei lernen sie unter anderem die junge Ärztin Aria (Emilia Schüle) kennen. Wir haben Emilia und David bei der Premiere in Hamburg zum Interview getroffen.

„Ich hatte gar keine Ahnung, wie schön Hamburg ist und hab mittlerweile gute Freunde hier gefunden. Gerade das Schulterblatt erinnert mich mit seinem Vibe sehr an Berlin. Ein junger, alternativer Ort, ich mag das.“
Emilia Schüle

Emilia, Ihr hattet mit Markus Goller einen erfahrenen und in Deutschland sehr erfolgreichen Regisseur mit an Bord – wie war die Zusammenarbeit?

Emilia Schüle Markus ist ein sehr emotionaler Regisseur, der seine Figuren wirklich liebt – und auch verteidigt. Das finde ich schon sehr besonders und habe es so bisher auch nur selten erlebt. Er fühlt wirklich mit während des Drehs. Das motiviert mich dann wiederum als Schauspielerin, mein Bestes zu geben.

Erst Simpel, dann Indianerland – du bist mittlerweile eine richtige Hamburg-Expertin: Was macht für dich den Charme der Stadt aus?

Emilia Schüle Wir haben damals sogar den Film Boy 7 (Özgür Yıldırım, Hamster Film, Anm. der Redaktion) hier in Hamburg gedreht – ebenfalls mit David. Schon da hab ich mich total in Hamburg verliebt. Man muss einfach nur mal einen Tag bei schönem Wetter an den Landungsbrücken spazieren gehen oder abends auf dem Schulterblatt den Straßenmusikern lauschen – oder auch morgens um 7 Uhr auf dem Fischmarkt ein Fischbrötchen essen. Ich hatte gar keine Ahnung, wie schön diese Stadt ist und hab mittlerweile gute Freunde hier gefunden. Gerade das Schulterblatt erinnert mich mit seinem Vibe sehr an Berlin. Ein junger, alternativer Ort, ich mag das. Die Hamburger halten übrigens große Stücke auf ihre Stadt (lacht). Da war es dann immer spannend zu diskutieren, warum in einigen Bereichen Berlin und in anderen dann eben Hamburg schöner ist.

Trailer

In Simpel spielst du eine junge Ärztin – wäre das auch im echten Leben eine Option gewesen oder war schon immer klar, dass du Schauspielerin werden willst?

Emilia Schüle Ärztin wollte ich nie werden, denn meine Eltern sind Ärzte. Die beiden haben immer sehr viel gearbeitet und die Geschichten von der Arbeit haben einem als Kind natürlich auch ein bisschen Angst gemacht. Ansonsten hab ich tatsächlich nie ernsthaft darüber nachgedacht, etwas anderes zu machen, da ich mit dem Schauspielen sehr früh angefangen habe. Ich war als 10-jährige jedoch großer Ally McBeal-Fan, eine Juristenserie, und hab mal ganz kurz überlegt, ob ich nicht darauf vielleicht Lust hätte. Aber das war wirklich nur ein flüchtiger Gedanke.

Ben und Simpel sind quasi unzertrennlich, Aria ist im Film komplett auf ihren Job fixiert und spielt abends alleine Playstation. Bist du jemand, der immer Leute um sich rum braucht oder genießt du es, auch manchmal alleine zu sein, um den Akku wieder aufzuladen?

Emilia Schüle Das hat sich im Laufe der Zeit total verändert bei mir. Ich hab früher alleine gewohnt und bin mittlerweile Teil einer WG. Für mich ist es jetzt also ganz normal, Leute um mich zu haben – und ich genieße das sehr. „Me-Time" ist für mich momentan nicht so wichtig.

David, wie hast du dich auf deine Rolle als Simpel vorbereitet?

David Kross Ich habe viel mit Psychologen gesprochen um herauszufinden, ob Simpels „Monsieur Hase Hase"-Tick überhaupt authentisch ist, da ich bisher noch nicht viele Berührungspunkte mit behinderten Menschen hatte. Auch die eigene Sprache, die sich Simpel ausgedacht hat, sollte etwas durchleuchtet werden. Mit Markus Goller war ich dann zusammen in einem Behindertenheim, um ein Gefühl für das Ganze zu bekommen. Auch mit Frederick Lau sind wir in unseren Rollen zusammen durch Berlin spaziert und haben sozusagen Trockenübungen gemacht, uns etwas zu Essen bestellt und geschaut, wie das als „Simpel und Ben" funktioniert. Natürlich wurden wir auch immer mal erkannt. Das muss ein bisschen wie „versteckte Kamera" gewirkt haben. (lacht)

Du kommst ursprünglich aus dem Norden, lebst aber mittlerweile in Berlin. Bist du noch oft in der alten Heimat in Bargteheide?

David Kross Ja, hin und wieder schon. Ich mag die norddeutsche Mentalität, ich bin auch echt gerne in Hamburg. Wir hatten mit Simpel sehr viele Drehtage hier. Es ist toll, dann 1,5 Jahre später beim Filmfest Hamburg die Premiere zu feiern, da es ja auch irgendwie ein Hamburg-Film ist.

Gibt es etwas, das du an deiner Heimat vermisst? Denn Berlin tickt ja doch ein bisschen anders.

David Kross In Hamburg und Schleswig-Holstein sind die Menschen entspannter, nicht so extrem gehetzt wie in Berlin. Ich finde auch, dass die Leute hier etwas freundlicher sind als in der Hauptstadt. Aber das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau. Zum Glück kann ich in Berlin einfach in den Zug steigen und bin in weniger als zwei Stunden hier.
Ben und Simpel im Wattenmeer

Ist es schwerer als Schauspieler erfolgreich zu sein, wenn man vom Land kommt?

David Kross Das ist schwer zu sagen. Für einige Leute ist eine Schauspielschule in der Großstadt zum Beispiel genau das richtige, bei anderen ist es vielleicht sogar eher kontraproduktiv. Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Ob man fürs Schauspielern die Stadt oder das Land braucht – bei mir ist das eher rollenabhängig. Am wichtigsten ist es, dass man sich wohl fühlt, dann kommt der Rest von alleine.

Letzte Frage an euch beide. Im Trailer heißt es: Jeder hat diesen einen Menschen, für den er alles tun würde. Gibt es für euch diesen einen Menschen?

David Kross Emilia Schüle Ja klar, die Mama! (lacht). Ich würde sagen, generell die Familie. Ich mach da schon sehr viel, auch Sachen, auf die ich vielleicht nicht so viel Lust habe – z.B. stundenlang kochen und solche Dinge. Und natürlich würde ich auch für meine engsten Freunde sehr viel tun.


David Kross Ich glaube, es ist einfach ein Gefühl, eine Verbundenheit, die da sein muss. Wenn diese Verbundenheit da ist, bin ich zu sehr viel bereit.

Fotos: Universum Film

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